Regio-Saatgut, wenn du wirklich etwas für die Umelt tun willst

Regio-Saatgut

Wenn du wirklich etwas zur Erhaltung bzw. zur Förderung der Artenvielfalt tun möchtest …

Text und Bilder: Ingrid Müller

Bunte Bilder und fantasievolle Bezeichnungen verlocken zum Kauf. Warum auch nicht? Eine Tüte Saatgut „Bienenweide“, „Schmetterlingsschmaus“ oder „Hummelmagnet“ landet ruck zuck im Einkaufswagen, wird im Garten ausgesät und beruhigt das Gewissen, denn man tut schließlich etwas zur Förderung der Artenvielfalt und zum Wohle der Insektenwelt. Auch der Gesetzgeber hat nichts dagegen, denn laut Bundesnaturschutzgesetz ist man im innerstädtischen Bereich und in Hausgärten generell frei in der Entscheidung, welches Saatgut ausgebracht wird.

Doch was gut gemeint ist, kann noch besser werden

So handelt es sich bei den bunten Blumenmischungen zumeist um nicht heimische, einjährige Pflanzen. Diese liefern allenfalls Nahrung für Alleskönner unter den Insekten wie Honigbienen und Hummeln, jedoch nicht für seltene oder gefährdete Wildbienenarten. Offen bleiben Fragen zur Herkunft, zum Anbau sowie zur Gewinnung des Saatgutes.

Wer wirklich etwas zur Erhaltung bzw. zur Förderung der Artenvielfalt tun möchte, greift zu Regio-Saatgut. Es enthält mehrjährige, standortangepasste Pflanzenarten, von der auch die regiotypische Tierwelt profitiert, indem es für ein regiotypisches Futter- und Lebensraumangebot sorgt.

Mehrjährige Arten bilden im ersten Jahr nach der Aussaat in der Regel unscheinbare Pflänzchen, die noch nicht viel hermachen. Darum enthalten die mehrjährigen Saatmischungen einen gewissen Anteil einjähriger Pflanzen, die bereits im ersten Jahr blühen und schon von Weitem signalisieren, dass in der Gemeinde, im Garten oder anderswo etwas für die Umwelt getan wird. Nicht umsonst heißen Einjährige wie Klatschmohn & Co. im Fachjargon „Bürgermeisterpflanzen“.

Regiosaatgut verwenden!

Es hat also viele Vorteile, Regio-Saatgut zu verwenden!

Beim Kauf von Regio-Saatgut ist es ganz wichtig, auf dessen Herkunft zu achten, so gehört der Landkreis Northeim zum Ursprungsgebiet 6 (oberes Weser- und Leinbergland mit Harz). Weil das Regio-Saatgut genau auf unsere Region abgestimmt ist, wird sichergestellt, dass die richtigen Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt blühen und von den richtigen Insekten bestäubt werden. Zwingend erforderlich ist eine solche Synchronisierung bei extrem spezialisierten Insekten, die nur eine Pflanzenart als Nahrung haben. Wenn zum Beispiel die Samen der Ackerwitwenblume (Knautia arvensis) aus einer anderen Region gewonnen wurden, könnte es passieren, dass die Knautien-Sandbiene zu Beginn ihrer Flugzeit keine Nahrung findet, weil ihre einzige Futterquelle zu früh oder zu spät blüht.

Für die Pflanzenart führt die Vermischung von Sorten aus verschiedenen Regionen zu einer geringeren genetischen Vielfalt. Diese wirkt sich langfristig negativ aus, weil darunter die Anpassungsfähigkeit leidet, wenn sich die Umweltverhältnisse ändern.

Es hat also viele Vorteile, Regio-Saatgut zu verwenden. Weil es mit einem erheblichen personellen und logistischen Aufwand gewonnen und zwischenvermehrt wird, muss man dafür allerdings deutlich mehr Geld ausgeben als für nichtregionale einjährige Saatmischungen.

Doch, um es mit Elisabeth Taylor zu sagen: „Wozu ist Geld gut, wenn nicht, um die Welt zu verbessern?“

Hier kannst du zum Beispiel Regio-Saatgut bestellen:

Bitte achte darauf, dass du für dein Herkunftsgebiet bestellst! Es gibt in Deutschland 22 Herkunftsgebiete, die auf einer Karte festgelegt sind. Das Bundesamt für Naturschutz zeigt eine solche Karte.

Profitipp: Die Saatgut-Hersteller empfehlen übrigens eine Aussaat im Herbst, weil die Bodenfeuchte dann normalerweise besser ist als bei der Frühjahrsaussaat, wo es in den trockenen Sommer hineingeht.

Autorin: Ingrid Müller

Kreisnaturschutzbeauftragte des Landkreises Northeim und unermüdlich unterwegs, Pflanzen mit Worten zu porträtieren.
Mehr zu Ingrid im Interview


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