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Sensen ist das neue Wandern

Ein Sport, der dich dreifach belohnt

Text & Videoschnitt: Tine Sprandel

Der Schwung aus der Hüfte führt den Schnitt, nicht die Kraft – das macht den Charme dieser Bewegung aus. Und die frische Luft und das Gefühl, etwas Gutes für die Artenvielfalt zu tun 🍃🐝.

Ohne Übung schwingt es aber nicht! Also haben wir in diesem Artikel ein Video und 7 gute Gründe für das Mähen mit der Sense zusammengestellt, gefolgt von einer kurzen Anleitung. Damit dir die Motivation nie ausgeht!🥰

Die Autorin beim Sensen. 300 Quadratmeter später hast du das Gefühl, einen Berg erklommen zu haben!!!

Übe den Rhythmus

Eine Sense ist genial konstruiert. Ist sie gut auf dich eingestellt, das heißt, passen die Länge des Sensenworbs, der Abstand der Griffe und der Winkel der Sense am Boden, ist sie gut gedengelt und geschärft – dann ist das Mähen weder anstrengend noch langweilig.

Das fühlt sich an wie beim Kajakfahren. Als ich das erste Mal in einem Wildwasserfluss paddelte und eine Stromschnelle kam, lag ich im Wasser.

Ich fiel dreimal ins Wasser, bis ich begriffen hatte: Wenn du durch die Stromschnellen kommen willst, musst du mit dem Wasser paddeln und nicht dagegen.

Ähnlich ist es beim Sensen. Nur fliegst du nicht gleich ins Wasser, sondern es wird lediglich sehr anstrengend, wenn du es nicht richtig machst.

Das heißt: Vertraue dem Rhythmus, das braucht nur etwas Übung und eine gute Sense.

Der Schnitt wird dann:

  • leicht (ohne Kraftanstrengung),
  • sauber (so dass das Schnittgut immer dort liegt, wo du schon gesenst hast) und
  • gleichmäßig (wo die Wiese eben ist).

7 gute Gründe zum Sensen – damit dir die Motivation zum häufigen Üben nicht ausgeht

1) Biodiversität erhöhen

Wiesen werden erst durch die Mahd geschaffen, nicht wie Weiden durch das Vieh oder wie Steppen durch das Klima. Ohne Mahd keine Blumenwiese. Die Fläche würde ohne Mahd verbuschen beziehungsweise sich langsam zu einem Wald entwickeln. Ohne Blumenwiese keine Insekten, ohne Insekten keine Früchte …

2) Artenvielfalt und Mährhythmus

Wiesen sind umso artenreicher, je nährstoffärmer und lockerer der Boden ist. Außerdem fördert Trockenheit die Artenvielfalt, wobei die subjektive „Schönheit“ leiden kann, wenn es zu trocken wird. Aber auch auf feuchten Wiesen gedeihen schöne Arten.

Egal welche Saatgutmischung, oder ob die Wiese schon vorhanden ist: es setzen sich nur diejenigen durch, für die alles passt: Boden (Struktur, pH-Wwert, Kalk- und Nährstoffgehalt), Wasserhaushalt und: Mährhythmus.

Boden und Wasserhaushalt können wir auf die Dauer nicht beeinflussen. Nur den Mährhythmus bestimmen wir allein.

Ein- bis dreimal im Jahr wird gemäht. Im Sinne einer großen Artenvielfalt und eines einheitlichen Wiesenbildes sollte immer zum selben Zeitpunkt gemäht werden. Das bedeutet nicht, immer am selben Kalendertag. Das bedeutet: immer im selben Entwicklungsstadium der Wiese, wie man sie an speziellen Leitpflanzen erkennen kann. Das Verblühen der Margeriten wird häufig als Termin für die erste Mahd genannt. Ein günstiger Zeitpunkt im Sinne einer schönen Gartenwiese. Eine zweite Mahd kann im Herbst oder gar erst im Winter erfolgen. Bei Fettwiesen, also wenn der Boden sehr nährstoffreich ist, ist eine eingeschobene Augustmahd günstig, auf nährstoffarmen Böden mäht man nur einmal, entweder im Herbst/Winter oder zum allgemein ersten Mahdtermin. Und wer besonders insektenfreundlich sein will, mäht nicht die ganze Wiese auf einmal, sondern in zwei Etappen in zweiwöchigem Abstand.

3) Wildtiere schonen

Gemäht wird wildtierschonend sobald es warm und die Wiese trocken ist. Imker wünschen sich dagegen eine Mahd in den frühen Morgenstunden, aber das Nutztier Honigbiene ist da ganz anders gepolt als wildlebende Insekten. Wer nicht mit der Sense mähen will, sollte einen Balkenmäher verwenden. Die klassischen Motorsensen („Schnürlmäher“) sind für die Tierwelt gefährlich, ebenso klassische Rasenmäher, die die hohe Vegetation sowieso nicht leicht bewältigen. Das Mähgut sollte ein paar Stunden bis zwei Tage liegenbleiben, um aussamen zu können. Danach wird es entfernt.

Warum das den Grasschnitt entfernen? Bleibt das Gras liegen, bedeutet das für den Boden ein Nährstoffeintrag. Wiesen gedeihen aber am besten auf nährstoffarmen Böden – also kommt das Mähgut weg. Es kann als Viehfutter dienen, unter Hecken und Sträuchern beim Mulchen helfen oder abwechselnd mit holzigem Material kompostiert werden.

4) Unwegsames Gelände meistern

Mit der Sense können auch für Rasenmäher schwer erreichbare Stellen, wie zum Beispiel Hanglagen oder Wiesen mit einzelnen Stauden, die länger stehen bleiben sollen, problemlos gemäht werden.

5) Lärmbelästigung vermeiden

“Irgendein Depp mäht irgendwo immer…”, Motorengeräusche zerren an den Nerven – an den eigenen und denen der Nachbarn. Mit der Sense kannst du zu jeder Tageszeit mähen, egal ob sonntags oder feiertags.

6) Sport treiben

Laut einer Studie der Uni Innsbruck verbrennt Mähen bis zu 500 kcal pro Stunde!

7) Glücklicher werden

Die Bewegung an der frischen Luft bringt Hormone ins System, die die Stresshormone ausgleichen und abbauen. Mit den Händen zu arbeiten hat eine ganz besondere Qualität. Beim Mähen siehst du sofort ein Ergebnis und kannst die Früchte deiner Anstrengung genießen.

Beim Sensen bist du nah an der Natur. Du erlebst den Garten auf ganz eigene, sinnliche Weise. Die gleichförmige Bewegung hat etwas Entspannendes, geradezu Meditatives. Der Kopf wird frei. Sensen ist gelebte Entschleunigung.

Klar, für das gesamte Projekt „Wiese“ brauchst du auch Geduld. Je nach Voraussetzungen kann es unterschiedlich lange dauern, bis eine Wiese optisch schön ist, also nach klassischer Magerwiese ausschaut. Vor allem in fetten Lehmböden dauert das einige Jahre. Eine Blumenwiese benötigt Zeit.


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(Kurz-) Anleitung richtig Sensen

Beim Mähen führst du die Sense in einem halbkreisförmigen Bogen immer flach über den Boden, wobei die Spitze des Blattes leicht nach oben zeigt. Du hebst die Sense vorwärts wie rückwärts nicht vom Boden ab.

Du stehst in einem angenehmen Ausfallschritt, der rechte Fuß etwas nach vorne. Die Knie leicht gebeugt. Der Schwung geschieht locker aus der Hüfte heraus.

Am besten du mähst dir zuerst eine Kante, von der aus du in Halbkreisen loslegst. Die Sense ziehst du immer vom Ungemähten ins Gemähte, dabei gehe langsam vor: Es reicht, wenn fünf bis zehn Zentimeter Gras pro Schlag gemäht werden. Auf diese Weise wird der Schnitt sauberer, du sparst Nacharbeiten und findest leichter in den Rhythmus.

Fazit: Mähen ist eine natürliche Bewegung – so gut für die Kondition wie Wandern, so vielfältig wie ein Spaziergang durch die Wiesen.

Anmerkung: Die Wiese oben im Video haben wir zu zweit gemäht. Neulich haben wir zu viert eine Wiese im Rahmen des Bund Naturschutz Icking gemäht. Zu Viert mähen gibt noch einen zusätzlichen Motivationsschub: Es ist ein unglaublich gutes Gefühl gemeinsam voranzukommen! Du findest in deiner Region vielleicht auch Gruppen oder einen Sensenkurs zum Einsteigen?

Autorin: Tine Sprandel

Herausgeberin des Lavendelos. Gärtnerin. Autorin. Gartenberatungen.
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