Faser-ABC Alpakas, Seide, Merinowolle und co

Natürlich Wolle – das Faser-ABC

Wissen über Wolle, Textil-Fasern und ihre Verarbeitung

In unserem Faser-ABC listen wir nach und nach wichtige Begriffe rund um Wolle, Textilfaser und ihre Verarbeitung auf. Für mehr Durchblick bei dem natürlichen Rohstoff Wolle und wie dieser artgerecht und umweltschonend verarbeitet werden kann.

Alpaka ist die seidige Wolle der Alpakas. Dabei ist es egal, ob die Tiere in Südamerika leben oder in anderen Ländern. Sie wird in unterschiedlichen Farben und Qualitäten angeboten. Versponnen und verstrickt entstehen weiche und anschmiegsame Produkte, die warm und temperaturausgleichend sind. Gerade die Strickwaren haben eine hohe Haltbarkeit, bilden weder Wollmäuse noch leiern sie stark aus. Alpakawolle ist ein hervorragender Ersatz für alle, denen Schafwolle zu sehr kratzt.

Babyalpaka bezieht sich nicht auf die Herkunft der Alpaka-Faser, sondern auf die Qualität. Babyalpaka bezeichnet eine sehr feine Qualität der Faser (unter 22 Mikron). Wertvoller ist nur noch „Royal“ mit unter 19 Mikron.

Bouretteseide entsteht aus den kürzeren Faserteilen der Maulbeerseide, die in den äußeren und innersten Bereichen der Kokons wachsen und aus weiteren Seidenfaserabfällen. Durch die etwas unregelmäßige, noppige Struktur wirkt der Stoff fülliger als glatte Seiden. Der hohe Anteil des Seidenleimes beschert der Bouretteseide eine natürliche Heilwirkung (entzündungshemmend und beruhigend).

GOTS ist die Abkürzung für „Global Organic Textile Standard“. Dabei handelt es sich um einen weltweit angewendeter Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern.

Merinowolle gilt als die feinste (Schur-)Wolle und wird vom Merinoschaf gewonnen. Im Mittelalter waren Stoffe („Tuche“) aus dieser Wolle dem gehobenen Stand vorbehalten. Merinowolle ist sehr fein gekräuselt, kratzt nicht und fühlt sich weich und flauschig an.
Kleidung aus feinster Merinowolle mit 16-19 Mikron (μ) lässt sich direkt auf der Haut tragen.

Mikron: Die Qualität von Wolle wird im Wesentlichen von der Stärke und Länge der einzelnen Wollfaser bestimmt. Die Faserstärke, genauer der mittlere Faserdurchmesser ( Mean Fiber Diameter abgekürzt MFD) wird in Mikron (μ) angegeben: ein Mikron = ein tausendstel Millimeter (1 μ = 0,001mm). Je kleiner der MFD, umso feiner und wertvoller ist das Vlies.
Auch international ist er der wichtigste Wert für die Faserindustrie. Als Feinheitsindikator beschreibt er die durchschnittliche Feinheit des Vlieses zum Zeitpunkt der Probenentnahme.

Mulesing (engl.) ist ein Verfahren, das vor allem in Australien und Neuseeland angewendet wird. Von dort kommen 90% der konventionell hergestellten feinen Merinowolle. Die Mulesierung, so der deutsche Begriff, dient der Bekämpfung von Fliegenmaden. Den einjährigen Schafen werden ohne Betäubung großflächig die Hautfalten am Hinterteil mitsamt Teilen des Schwanzes abgeschnitten. Die Vernarbung hindert die Maden daran, sich in die Haut zu bohren. Mulesing ist äußerst schmerzhaft und führt zu einem dauerhaften Trauma für die Tiere.
Fliegenmaden sind für Schafe auch unangenehm – sie könnten aber durch ein verändertes Zuchtziel und artgerechte Tierhaltung deutlich vermindert werden. Die Herden müssten kleiner sein; Tiere in artgerechter Haltung säubern sich selber. Viele Anbieter verwenden daher nur noch Wolle von Schafen aus anderen Herkunftsländern, die gesichert auf Mulesing verzichten und / oder sie nutzen Wolle mit GOTS-Zertifizierung.

Schurwolle ist ein traditionsreiches Spinnmaterial. Der Begriff bezieht sich auf die Schafschur – und gilt für Lammwolle (von Tieren unter 6 Monaten) genauso wie für Merinowolle. Die schuppenartige Haarstruktur der Wollfaser sorgt für einen selbstreinigenden Effekt und die hohe Elastizität. Wolle ist temperaturausgleichend und besonders atmungsaktiv. Sie kann bis zu 40 % ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Daher fühlt sich Wolle auch in solch einem Zustand nicht kalt an. Bisher vermag keine Regeneratfaser oder synthetischen Faser so viele positive Eigenschaften für eine wärmende Bekleidungsfaser zu vereinen wie Wolle. Übliche Schurwolle hat Faserstärken von 25-50 Mikron.

Seide kann man auch als Königin der Fasern bezeichnen. Dank der feinen (8-15 Mikron) und glatten Faserstruktur, ist sie weich und hautsympathisch. Außerdem ist sie eine Klimakünstlerin: Seide wärmt im Winter und kühlt im Sommer. Entstehung: Raupen der Maulbeer- oder Tussahspinner (Falter) spinnen sich in Kokons ein, dabei sondern sie am Mund Seidensubstanz ab, die an der Luft fest wird.
Es gibt zwei Formen der Weiterverarbeitung: Für die Maulbeerseide werden die Kokons in siedendem Wasser gekocht, um den Seidenleim zu entfernen, die Raupe im Inneren stirbt dabei. Dann lässt man die Kokons trocknen, entfernt die Wattseide, die den Kokon umhüllt, und beginnt, den festen Seidenfaden abzuhaspeln. Dieses Herstellungsverfahren war den Chinesen schon vor über 5000 Jahren bekannt und hat sich seitdem etabliert.
Lässt man die Falter aus dem Kokon schlüpfen, entsteht Wildseide oder Schappeseide. Durch den Schlüpfvorgang ist kein Endlosfaden mehr vorhanden, dadurch kann das Garn nicht mehr glatt abgehaspelt werden, sondern muss im Kammgarnverfahren gewonnen und versponnen werden.

Tussahseide: Diese Seide stammt von der Raupe des Tussahspinners. Diese fressen keine Maulbeerblätter wie der Maulbeerspinner, sondern Eichenblätter. Durch die darin enthaltene Gerbsäure hat der Faden eine gelbliche bis bräunliche Färbung, die man nicht weiß bleichen kann. Die Falter schlüpfen immer aus dem Kokon, sodass der Faden im Kammgarnverfahren gewonnen werden muss. Er ist ernährungsbedingt wesentlich dicker als Maulbeerseide.

Dieses Faser-ABC wird ständig erweitert. Wenn dir ein Begriff fehlt, schreiben uns eine Nachricht! Wir recherchieren und erklären ihn dann hier in Kurzform.